Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten kön­nen zu zwei Drit­tel, höchs­tens jedoch bis 4.000 € je Kind als Son­der­aus­ga­ben abge­zo­gen wer­den. Begüns­tigt sind Dienst­leis­tun­gen zur Betreu­ung eines zum Haus­halt des Steu­er­pflich­ti­gen gehö­ren­den Kin­des, wel­ches das 14. Lebens­jahr noch nicht voll­endet hat. Der Klä­ger hat Beschwer­de beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ein­ge­legt, weil er die Abzugs­vor­aus­set­zung der Haus­halts­zu­ge­hö­rig­keit als ver­fas­sungs­wid­rig ansieht.

Pra­xis-Bei­spiel:
Die Toch­ter des Klä­gers besuch­te zunächst einen Kin­der­gar­ten und nach ihrer Ein­schu­lung den Hort der Grund­schu­le. Die Mut­ter über­wies in die­sem Jahr für den Besuch des Kin­der­gar­tens ins­ge­samt 250 € und für den Besuch des Schul­horts ins­ge­samt 348 € an die jewei­li­ge Ein­rich­tung. Nach den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richts erstat­te­te der Klä­ger jeweils den hal­ben Monats­bei­trag, weil er zivil­recht­lich im Rah­men des Mehr­be­darfs zur antei­li­gen Zah­lung von Kin­der­gar­ten­bei­trä­gen und Hort­ge­bühr ver­pflich­tet war. In sei­ner Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung mach­te der Klä­ger die Hälf­te der Betreu­ungs­auf­wen­dun­gen für Kin­der­gar­ten und Schul­hort als Son­der­aus­ga­ben gel­tend. Das Finanz­amt lehn­te den Abzug ab, weil die Toch­ter allein zum Haus­halt der Mut­ter und nicht auch zum Haus­halt des Vaters gehörte.

Der BFH lehn­te den Abzug als Son­der­aus­ga­ben ab, weil die Vor­aus­set­zun­gen nicht erfüllt sind. Der steu­er­li­che Abzug für die vom Klä­ger getra­ge­nen Kos­ten der Betreu­ung der Toch­ter im Kin­der­gar­ten und im Schul­hort lässt sich auch nicht auf eine ande­re Vor­schrift des EStG stüt­zen. Der BFH lehn­te eine Vor­la­ge an das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zur ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Prü­fung ab. Dass ein Betei­lig­ter des Kla­ge­ver­fah­rens eine Norm für ver­fas­sungs­wid­rig hält, begrün­det kei­ne Vor­la­ge­pflicht an das BVerfG. Der BFH ist außer­dem nicht davon über­zeugt, dass das Eltern- bzw. Fami­li­en­grund­recht (Art. 6 GG) oder den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz (Art. 3 Abs. 1 GG) ver­letzt sind, weil es sich hier um eine zuläs­si­ge Ver­ein­fa­chungs- und Typi­sie­rungs­re­ge­lung handelt.

Tipp: Das BVerfG hat die Ver­fas­sungs­be­schwer­de am 20.12.2023 als anhän­gi­ges Ver­fah­ren in die Daten­bank auf­ge­nom­men (Az. 2 BvR 1041/23). Somit ist es sinn­voll, in ver­gleich­ba­ren Fäl­len die Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten gel­tend zu machen und gegen eine Ableh­nung Ein­spruch ein­zu­le­gen. Gleich­zei­tig soll­te unter Hin­weis auf das Ver­fah­ren beim BVerfG bean­tragt wer­den, das Ein­spruchs­ver­fah­ren ruhen zu las­sen, bis die Ent­schei­dung des BVerfG vorliegt. 

Quelle:BFH | Urteil | III R 9/22 (BVerfG, 2 BvR 1041/23) | 10-05-2023