Das Finanz­ge­richt Müns­ter hat ent­schie­den, dass die nega­ti­ven Ein­künf­te aus dem Betrieb einer Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge als Betriebs­aus­ga­ben aner­kannt wer­den müs­sen, trotz der seit 2022 gel­ten­den Steu­er­be­frei­ung für sol­che Anlagen. 

Pra­xis-Bei­spiel:
Der Klä­ger hat­te im Jahr 2022 Kos­ten für die Erstel­lung von Gewinn­ermitt­lun­gen und Umsatz­steu­er­erklä­run­gen für die Jah­re 2016 bis 2021 sowie Umsatz­steu­er­zah­lun­gen für die Jah­re 2016 bis 2020 getra­gen. Die­se Kos­ten wur­den von der Finanz­be­hör­de nicht als abzugs­fä­hi­ge Betriebs­aus­ga­ben aner­kannt, da die Ein­künf­te aus der Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge ab 2022 steu­er­frei sind.

Das Finanz­ge­richt hat ent­schie­den, dass Kos­ten abzieh­bar sind, die nicht in einem unmit­tel­ba­ren wirt­schaft­li­chen Zusam­men­hang mit den steu­er­frei­en Ein­künf­ten des Jah­res 2022 ste­hen, son­dern mit den steu­er­pflich­ti­gen Ein­künf­ten der Vor­jah­re. Daher greift das Abzugs­ver­bot (§ 3c Abs. 1 EstG) nicht. Da die Kos­ten im Zusam­men­hang mit den Ver­pflich­tun­gen ste­hen, die sich aus den steu­er­pflich­ti­gen Ein­künf­ten der Vor­jah­re erge­ben, ist eine peri­odi­sche Bewer­tung erfor­der­lich, um fest­zu­stel­len, ob ein unmit­tel­ba­rer wirt­schaft­li­cher Zusam­men­hang besteht.

Das Finanz­ge­richt wies auch die Aus­le­gung der Finanz­be­hör­de zurück, dass die zeit­li­che Zuord­nungs­re­gel im BMF-Schrei­ben vom 17.7.2023 ein gene­rel­les Abzugs­ver­bot impli­zie­ren wür­de. Das Finanz­ge­richt kam zu dem Schluss, dass die Gesetz­ge­bung kein aus­drück­li­ches Ver­bot für den Abzug sol­cher Kos­ten ent­hält und dass eine sol­che Aus­le­gung eine gesetz­ge­be­ri­sche Kor­rek­tur erfor­dert hät­te. Ent­schei­dend ist der wirt­schaft­li­che Zusam­men­hang von Kos­ten und Ein­nah­men über ver­schie­de­ne Zeit­räu­me hinweg.

Hin­weis: Das Finanz­ge­richt hat die Revi­si­on zuge­las­sen, da die Rechts­sa­che auf­grund der Viel­zahl der betrof­fe­nen Steu­er­pflich­ti­gen grund­sätz­li­che Bedeu­tung hat und die Siche­rung einer ein­heit­li­chen Recht­spre­chung im Hin­blick auf die Ent­schei­dung des Finanz­ge­richts Nürn­berg vom 19.09.2024 (4 K 1440/23) eine Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­hofs erfordert.

Fazit: In ver­gleich­ba­ren Fäl­len soll­te Ein­spruch ein­ge­legt und die Aus­set­zung des Ein­spruchs­ver­fah­rens bean­tragt werden.

Quelle:Finanzgerichte | Urteil | FG Müns­ter, 7 K 105/24 E | 05-11-2024