Der Bun­des­rat hat dem Steu­er­än­de­rungs­ge­setz am 19.12.2025 zuge­stimmt, sodass u.a. ver­schie­de­ne Rege­lun­gen in der Abga­ben­ord­nung mit Wir­kung ab 2026 geän­dert wor­den sind. Die nach­fol­gen­den Aus­füh­run­gen geben einen Über­blick über die wich­tigs­ten Ände­run­gen in der Abgabenordnung.

1. E-Sport als neu­er gemein­nüt­zi­ger Zweck (§ 52 Abs. 2 Satz 1 AO)
E-Sport (elek­tro­ni­scher Sport) wird ab 2026 als neu­er gemein­nüt­zi­gen Zweck geför­dert. In der Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs wird der E-Sport näher definiert.

Defi­ni­ti­on: Es han­delt sich um einen sport­li­chen, digi­ta­len Wett­kampf, bei dem Men­schen mit Hil­fe phy­si­scher Kon­troll­ele­men­te (Con­trol­ler, Tas­ta­tur, etc.) Video­spie­le am Com­pu­ter oder einer Spiel­kon­so­le gegen­ein­an­der spie­len. Das Spiel­feld, die zu betrach­ten­den Regeln sowie das Resul­tat wer­den dabei durch die zu Grun­de lie­gen­de Soft­ware defi­niert. Die moto­ri­schen Fähig­kei­ten der spie­len­den Per­so­nen müs­sen dabei maß­geb­li­chen Ein­fluss auf den Spiel­erfolg haben, er darf nicht ledig­lich vom Zufall abhän­gen. Durch die Aus­übung von E-Sport wird ins­be­son­de­re die Zusam­men­ar­beit in einem Team sowie die Reak­ti­ons­fä­hig­keit geschult, die­se stel­len maß­geb­li­che Fak­to­ren für den Erfolg dar.
Die Kör­per­schaf­ten sind ver­pflich­tet, sich an die Jugend­schutz­ge­setz­ge­bung zu hal­ten. Spie­le ohne USK-Alters­kenn­zeich­nung sind nicht zuläs­sig. Spie­le, bei denen rohe Gewalt, wie bei­spiels­wei­se auch das Töten von Men­schen, rea­li­täts­nah simu­liert bzw. tole­riert wird, sind mit dem Grund­satz der För­de­rung der All­ge­mein­heit nicht ver­ein­bar. Dies gilt auch für Spie­le, die in ande­rer Wei­se die Wür­de des Men­schen miss­ach­ten. Eben­so wenig ist das Spie­len von Online-Glücks­spiel mit die­sem Grund­satz ver­ein­bar. Wei­ter­hin ist es mit dem Grund­satz der För­de­rung der All­ge­mein­heit nicht ver­ein­bar, wenn in einem Spiel der Ein­satz von Geld über den Erwerb des Spiels hin­aus wett­be­werbs­re­le­van­te Vor­tei­le ver­schafft (z. B. „EA FC – Ulti­ma­te Team“).

Die Kör­per­schaf­ten sol­len sich ins­be­son­de­re auch der Sucht­prä­ven­ti­on wid­men und einen gesun­den Umgang mit dem Medi­um vermitteln.

2. Anhe­bung der Frei­gren­ze bei der Pflicht zur zeit­na­hen Mit­tel­ver­wen­dung (§ 55 Abs. 1 Nr. 5 Satz 4 AO)
Die Pflicht zur zeit­na­hen Mit­tel­ver­wen­dung für steu­er­be­güns­tig­te Kör­per­schaf­ten, deren Ein­nah­men ab 2026 bis 100.000 € pro Jahr (bis­her 45.000 €) betra­gen, wird abge­schafft. Damit wird die Pflicht zur zeit­na­hen Mit­tel­ver­wen­dung künf­tig für rund 90% der steu­er­be­güns­tig­ten Kör­per­schaf­ten ent­fal­len.
Die Pflicht zur zeit­na­hen Mit­tel­ver­wen­dung beinhal­tet die gesetz­li­che Ver­pflich­tung, Mit­tel (z. B. Spen­den, Bei­trä­ge, Erträ­ge aus wirt­schaft­li­chen Geschäfts­be­trie­ben oder der Ver­mö­gens­ver­wal­tung) nicht dau­er­haft im Ver­mö­gen der Kör­per­schaft zu belas­sen, son­dern mög­lichst zügig für steu­er­be­güns­tig­te Sat­zungs­zwe­cke aus­zu­ge­ben. Steu­er­be­güns­tig­te Kör­per­schaf­ten müs­sen die zeit­na­he Mit­tel­ver­wen­dung inner­halb ihrer Rech­nungs­le­gung zweck­mä­ßi­ger­wei­se über eine Mit­tel­ver­wen­dungs­rech­nung nachweisen.

3. Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen als steu­er­lich unschäd­li­che Betä­ti­gung (§ 58 Nr. 11 AO)
Nach der neu ein­zu­fü­gen­den Vor­schrift gilt eine Betä­ti­gung einer Kör­per­schaft als steu­er­lich unschäd­lich, wenn sie Mit­tel für die Errich­tung und den Betrieb von Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen und ande­ren Anla­gen nach dem Erneu­er­ba­re-Ener­gien-Gesetz ver­wen­det, soweit es sich dabei nicht um den Haupt­zweck der Kör­per­schaft han­delt.
Die Ein­spei­sung von nicht selbst ver­brauch­tem Strom begrün­det wie bis­her unter den all­ge­mei­nen Vor­aus­set­zun­gen einen steu­er­pflich­ti­gen wirt­schaft­li­chen Geschäfts­be­trieb, wenn die Ein­nah­men aus allen steu­er­pflich­ti­gen Tätig­kei­ten die Besteue­rungs­gren­ze nach § 64 Abs. 3 AO über­stei­gen. Soll­ten Gewin­ne aus der Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge erzielt wer­den, sind die­se grund­sätz­lich steu­er­pflich­tig. Jedoch kön­nen beson­de­re Steu­er­be­frei­un­gen, ins­be­son­de­re § 3 Nr. 72 EStG, in Betracht kommen.

4. Anhe­bung der Frei­gren­ze für den steu­er­pflich­ti­gen wirt­schaft­li­chen Geschäfts­be­trieb (§ 64 Abs. 3 Satz 1 und 2 AO)
Über­stei­gen die Ein­nah­men ein­schließ­lich Umsatz­steu­er aus wirt­schaft­li­chen Geschäfts­be­trie­ben, die nicht Zweck­be­trie­be sind, ins­ge­samt nicht 45.000 € im Jahr, wer­den – aus Ver­ein­fa­chungs­grün­den – Kör­per­schaft­steu­er und Gewer­be­steu­er bis­her nicht erho­ben, um so klei­ne­re steu­er­be­güns­tig­te Kör­per­schaf­ten büro­kra­tisch zu ent­las­ten. Die­se Frei­gren­ze wird ab 2026 auf 50.000 € erhöht.
Außer­dem wird klar­ge­stellt, dass steu­er­be­güns­tig­te Kör­per­schaf­ten, die unter die­se Frei­gren­ze fal­len, kei­ne Abgren­zung und Auf­tei­lung dahin­ge­hend vor­neh­men müs­sen, ob die­se Ein­nah­men dem steu­er­pflich­ti­gen wirt­schaft­li­chen Geschäfts­be­trieb oder einem Zweck­be­trieb nach §§ 65 bis 68 AO zuzu­ord­nen sind.

5. Erhö­hung der Frei­gren­ze bei sport­li­chen Ver­an­stal­tun­gen (§ 67a Abs 1 Satz 1 AO)
Nach § 67a Abs. 1 Satz 1 AO wer­den sport­li­che Ver­an­stal­tun­gen eines Sport­ver­eins grund­sätz­lich als steu­er­be­güns­tig­ter Zweck­be­trieb behan­delt, wenn die Ein­nah­men ein­schließ­lich der Umsatz­steu­er ins­ge­samt 50.000 € (bis­her 45.000 €) im Jahr nicht über­stei­gen. Die Fik­ti­on des Zweck­be­triebs im Rah­men einer Frei­gren­ze für sport­li­che Ver­an­stal­tun­gen dient der Ver­ein­fa­chung und der Büro­kra­tie­ent­las­tung der Ver­eins­be­steue­rung. Die Frei­gren­ze des § 64 Abs 3 Satz 1 AO gilt für steu­er­pflich­ti­ge wirt­schaft­li­che Geschäfts­be­trie­be unab­hän­gig von der Frei­gren­ze des § 67a Abs. 1 Satz 1 AO.

6. Ver­zicht auf Anhö­rung in bestimm­ten Fäl­len (§ 91 Abs. 2a AO)
Der­zeit ist eine Anhö­rung nach § 91 Abs. 1 Satz 2 AO durch­zu­füh­ren, wenn die in der Steu­er­erklä­rung erklär­ten Daten von den vor­lie­gen­den elek­tro­ni­schen Daten der Mit­tei­lungs­pflich­ti­gen abwei­chen. Bei Prü­fun­gen wur­de fest­ge­stellt, dass die Daten nach § 93c AO in kei­nem Fall feh­ler­haft waren. Daher wird ab 2026 in die­sem Fall auf die Anhö­rung ver­zich­tet wer­den. Durch die Mit­tei­lung der mit­tei­lungs­pflich­ti­gen Stel­le sind die über­mit­tel­ten Daten dem Steu­er­pflich­ti­gen bereits bekannt.

Quelle:Sonstige | Geset­zes­än­de­rung | Bun­des­rats­druck­sa­che 745/25 | 18-12-2025