Nota­re sind nach dem Grund­er­werb­steu­er­ge­setz (§ 18 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 GrEStG) ver­pflich­tet, Ver­trä­ge, die den Ver­kauf eines inlän­di­schen Grund­stücks betref­fen, inner­halb von zwei Wochen ab Beur­kun­dung der Grund­er­werb­steu­er­stel­le des zustän­di­gen Finanz­amts anzu­zei­gen. Par­al­lel und unab­hän­gig von der Anzei­ge­pflicht des Notars müs­sen auch die Ver­trags­par­tei­en als Schuld­ner der Grund­er­werb­steu­er den Grund­stücks­ver­trag dem Finanz­amt anzei­gen (§ 19 GrEStG).

Kommt ein Notar sei­ner Pflicht zur Anzei­ge nicht inner­halb der gesetz­lich vor­ge­se­he­nen Zwei-Wochen-Frist nach, kann er kei­nen Antrag auf Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand nach § 110 der Abga­ben­ord­nung (AO) stellen.

Pra­xis-Bei­spiel:
Die Klä­ge­rin (Nota­rin) beur­kun­de­te einen Erbaus­ein­an­der­set­zungs­ver­trag zwi­schen Geschwis­tern (den Klä­gern in den Ver­fah­ren II R 20/23 und 21/23). Zum Nach­lass gehör­ten GmbH-Betei­li­gun­gen, die über inlän­di­schen Grund­be­sitz ver­füg­ten. Die Nota­rin zeig­te die Beur­kun­dung beim Finanz­amt an, jedoch nicht recht­zei­tig inner­halb der zwei­wö­chi­gen Frist. Eben­so wenig erfolg­te eine recht­zei­ti­ge Anzei­ge durch die Geschwis­ter. In der Fol­ge mach­ten die Geschwis­ter die Erbaus­ein­an­der­set­zung wie­der rück­gän­gig. Dar­an schloss sich die Fra­ge an, ob die für den Erbaus­ein­an­der­set­zungs­ver­trag ent­stan­de­ne Grund­er­werb­steu­er wegen der Rück­ab­wick­lung nicht fest­ge­setzt wer­den könn­te. Vor­aus­set­zung für die Nicht­fest­set­zung wäre unter ande­rem gewe­sen, dass der Erbaus­ein­an­der­set­zungs­ver­trag dem Finanz­amt inner­halb der zwei­wö­chi­gen Frist ange­zeigt wor­den wäre, wobei eine recht­zei­ti­ge Anzei­ge durch die Nota­rin hier zuguns­ten der Geschwis­ter hät­te wir­ken kön­nen. Die Nota­rin stell­te des­halb beim Finanz­amt einen Antrag auf Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand nach § 110 AO hin­sicht­lich der nota­ri­el­len Anzei­ge­frist. Der Antrag wur­de durch das Finanz­amt abge­lehnt. Auch das Finanz­ge­richt gewähr­te der Nota­rin kei­ne Wiedereinsetzung.

Der BFH schloss sich der Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts an. Die Nota­rin kann einen sol­chen Antrag nicht stel­len, weil sie nicht „jemand“ i.S. des § 110 Satz 1 AO ist. Zum Kreis der antrags­be­rech­tig­ten Per­so­nen zäh­len nur die am Grund­er­werb­steu­er­ver­fah­ren betei­lig­ten Steu­er­pflich­ti­gen – im Streit­fall die Geschwis­ter. Nur die­se kön­nen im Hin­blick auf die von ihnen ver­säum­te Frist nach § 19 GrEStG einen Antrag auf Wie­der­ein­set­zung stel­len. Der Notar hin­ge­gen ist am Grund­er­werb­steu­er­ver­fah­ren nicht betei­ligt. Er erfüllt mit der Anzei­ge nach § 18 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 GrEStG sei­ne eige­ne Pflicht gegen­über dem Finanzamt.

Kon­se­quenz: Der Notar haf­tet in die­sem Fall nicht für ein Ver­säum­nis – weder gegen­über den Steu­er­pflich­ti­gen noch gegen­über dem Finanzamt.

Wich­tig! Steu­er­pflich­ti­ge soll­ten ihre eige­ne Anzei­ge­pflicht nach § 19 GrEStG ken­nen und beur­kun­de­te Grund­stücks­ver­trä­ge recht­zei­tig selbst und unab­hän­gig von der Anzei­ge des Notars dem Finanz­amt mitteilen.

Quelle:BFH | Urteil | II R 22/23 | 07-10-2025