Die Ein­kom­men­steu­er (ein­schließ­lich Soli­da­ri­täts­zu­schlag und Kir­chen­steu­er), die von den Erben auf­grund einer rück­wir­kend erklär­ten Betriebs­auf­ga­be eines land- und forst­wirt­schaft­li­chen Betrie­bes ent­ste­hen, kön­nen nicht als Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten bei der Erb­schaft­steu­er in Abzug gebracht werden.

Pra­xis-Bei­spiel:
Die 6 Klä­ger sind Mit­er­ben des ver­stor­be­nen Erb­las­sers. Der Erb­las­ser war Inha­ber eines ver­pach­te­ten land- und forst­wirt­schaft­li­chen Betrie­bes (LuF-Betrie­bes). Die Erben erklär­ten nach sei­nem Tod die Auf­ga­be des LuF-Betrie­bes auf einen Zeit­punkt vor dem Tod des Erb­las­sers unter Inan­spruch­nah­me der Rück­wir­kung von maxi­mal 3 Mona­ten (§16 Abs. 3b Satz 2 EStG). Hier­durch ent­stand ertrags­steu­er­recht­lich ein Auf­ga­be­ge­winn. Das zustän­di­ge Finanz­amt setz­te für den Erb­las­ser die Ein­kom­men­steu­er sowie Soli­da­ri­täts­zu­schlag und Kir­chen­steu­er unter Ein­be­zie­hung die­ses Auf­ga­be­ge­winns fest. Das Finanz­amt ließ die Ein­kom­men­steu­er, die auf den Auf­ga­be­ge­winn ent­fiel, nicht zum Abzug als Nach­lass­ver­bind­lich­keit bei der Erb­schaft­steu­er zu.

Zwar han­delt es sich bei der Ein­kom­men­steu­er, die mit Ablauf des Ver­an­la­gungs­zeit­raums ent­stan­de­nen war, um die­je­ni­ge des Erb­las­sers für des­sen Todes­jahr. Aller­dings ent­stand der Auf­ga­be­ge­winn in Bezug auf den LuF-Betrieb erst durch die Auf­ga­be­er­klä­rung der Erben. Der Erb­las­ser selbst hat­te vor sei­nem Tod kei­ne Auf­ga­be­er­klä­rung abge­ge­ben, sodass im Zeit­punkt sei­nes Todes ein LuF-Betrieb auf die Erben über­ging. Folg­lich setz­te erst die Auf­ga­be­er­klä­rung der Erben die ent­schei­den­de Ursa­che für die rück­wir­ken­de Auf­ga­be des LuF-Betrie­bes und die hier­durch ent­stan­de­ne Ein­kom­men­steu­er zuzüg­lich der Neben­steu­ern (Soli­da­ri­täts­zu­schlag und Kirchensteuer). 

Fazit: Da die Steu­ern, die durch die Auf­ga­be­er­klä­rung der Erben begrün­det wur­de, nicht vom Erb­las­ser her­rüh­ren, lag zum Todes­zeit­punkt auch kei­ne wirt­schaft­li­che Belas­tung des Erb­las­sers vor.

Quelle:BFH | Urteil | II R 3/21 | 09-05-2023