Das Finanz­ge­richts Köln hat die Ein­künf­te einer Ärz­te-GbR, die ein Coro­na-Test­zen­trum betrie­ben haben, als frei­be­ruf­lich ein­ge­stuft und nicht als Ein­künf­te aus Gewer­be­be­trieb. Die Klä­ge­rin, eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts (GbR), betrieb im Jahr 2020 ein Test­zen­trum zur Erken­nung des Coro­na-Virus, außer­halb der regu­lä­ren Pra­xis­räu­me der betei­lig­ten Ärz­te. Die Finanz­be­hör­de ver­trat die Auf­fas­sung, dass die Akti­vi­tä­ten des Test­zen­trums als gewerb­li­che Ein­künf­te zu betrach­ten sei­en, da die Tests außer­halb der regu­lä­ren Pra­xis­räu­me durch­ge­führt wur­den und auch von nicht-medi­zi­ni­schem Per­so­nal hät­ten durch­ge­führt wer­den können.

Pra­xis-Bei­spiel:
Die Klä­ge­rin betrieb im Streit­jahr in der Rechts­form einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts (GbR) in Z ein Abstrich-/Test­zen­trum (Test­zen­trum) für den Erre­ger­nach­weis des Coro­na-Virus. Gesell­schaf­ter der Klä­ge­rin waren zu glei­chen Tei­len zum einen in einer wei­te­ren Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts die in Z nie­der­ge­las­se­nen All­ge­mein­me­di­zi­ner (Y GbR) sowie die in Z nie­der­ge­las­se­ne Fach­ärz­tin für Labo­ra­to­ri­ums­me­di­zin Frau X. Der Betrieb des Test­zen­trums erfolg­te außer­halb der ori­gi­nä­ren Pra­xis­räum­lich­kei­ten der Gesell­schaf­ter. Die betei­lig­ten Ärz­te nah­men die Abstri­che im Test­zen­trum selbst vor. Erfor­der­li­che Labor­leis­tun­gen wur­den ausgelagert.

Das Test­zen­trum wur­de auf Wunsch des Gesund­heits­am­tes des Krei­ses in Betrieb genom­men, um das Infek­ti­ons­ge­sche­hen in den Arzt­pra­xen posi­tiv zu beein­flus­sen, da erkrank­te Per­so­nen durch die betei­lig­ten Ärz­te im Frei­en getes­tet wer­den konn­ten und nicht mehr die Arzt­pra­xen auf­su­chen muss­ten. Das Abstrich­zen­trum war zulas­sungs­recht­lich eine Zweig­stel­le der Pra­xen der Gesell­schaf­ter. Die Leis­tun­gen wur­den über Gebüh­ren­ord­nung der Ärz­te gegen­über der Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gung abge­rech­net. Im Rah­men einer Betriebs­prü­fung gelang­te das Finanz­amt zu der Rechts­auf­fas­sung, dass die Klä­ge­rin kei­ne Ein­künf­te aus selbst­stän­di­ger Arbeit nach § 18 EStG durch den Betrieb des Test­zen­trums erzie­le, son­dern gewerb­li­che Ein­künf­te nach § 15 EStG.

Das Finanz­ge­richt ent­schied, dass die von den Ärz­ten durch­ge­führ­ten Coro­na-Tests als dia­gnos­ti­sche Vor­stu­fe ihrer medi­zi­ni­schen Pra­xis anzu­se­hen sind und somit als frei­be­ruf­li­che Tätig­keit gel­ten. Das Gericht beton­te, dass die Tests auf Wunsch der Gesund­heits­be­hör­den durch­ge­führt wur­den, um die Ver­brei­tung des Virus ein­zu­däm­men, und dass die betei­lig­ten Ärz­te ihre medi­zi­ni­sche Exper­ti­se nutz­ten, um die Tests durch­zu­füh­ren. Daher wur­den die Ein­künf­te aus dem Test­zen­trum als Ein­künf­te aus selb­stän­di­ger Arbeit qualifiziert.

Das Finanz­ge­richt Urteil stellt her­aus, dass der Kon­text und die Art der aus­ge­führ­ten Tätig­kei­ten sowie die Betei­li­gung qua­li­fi­zier­ter medi­zi­ni­scher Fach­kräf­te ent­schei­dend für die Qua­li­fi­ka­ti­on der Ein­künf­te aus selb­stän­di­gee Arbeit sind. Der Fall hat grund­sätz­li­che Bedeu­tung, sodass die Mög­lich­keit zur Revi­si­on zuge­las­sen wurde.

Quelle:Finanzgerichte | Urteil | FG Köln, 3 K 910/23 | 23-04-2024