Ent­hält der Ver­trag neben einer ent­gelt­li­chen Gebrauchs­über­las­sung zusätz­lich wesent­li­che nicht trenn­ba­re miet- oder pacht­frem­de Ele­men­te, liegt ein Ver­trag eige­ner Art vor, sodass eine gewer­be­steu­er­recht­li­che Hin­zu­rech­nung der Ent­gel­te ins­ge­samt ausscheidet.

Pra­xis-Bei­spiel:
Eine GmbH betreibt einen Groß­han­del und ist Haupt­spon­sor eines Sport­ver­eins. Auf der Grund­la­ge einer Spon­so­ring­ver­ein­ba­rung ruft der Ver­ein, der die Ver­mark­tungs­rech­te im Rah­men der Heim­spie­le hält, jähr­lich fest­ge­leg­te Beträ­ge ab, die die GmbH als Betriebs­aus­ga­ben ver­bucht. Es bestan­den Spon­so­ring­ver­trä­ge, in denen der Ver­ein dem Spon­sor (der GmbH) ver­schie­de­ne Spon­so­ren­rech­te ein­räum­te. Hier­zu gehö­ren u.a. die Nut­zung des Ver­eins­lo­gos für Wer­be­zwe­cke, die Wer­be­prä­senz in Form von Fir­men­lo­gos des Spon­sors auf dem Tri­kot, auf der Auf­wärm­be­klei­dung und der Klei­dung der Offi­zi­el­len (z. B. Trai­ner) sowie die Ban­den­wer­bung. Bei einer Außen­prü­fung ver­trat das Finanz­amt die Auf­fas­sung, dass es sich bei dem Spon­so­ring­ver­trag um einen gemisch­ten Ver­trag han­de­le und die vom Ver­trag umfass­ten Auf­wen­dun­gen teil­wei­se bei der Ermitt­lung des Gewer­be­er­trags hin­zu­zu­rech­nen seien.

Der BFH hat ent­schie­den, dass es sich bei dem Spon­so­ring­ver­trag um einen aty­pi­schen Schuld­ver­trag han­delt, bei dem die ein­zel­nen Leis­tungs­pflich­ten der­art mit­ein­an­der ver­knüpft sind, dass sie sich recht­lich und wirt­schaft­lich nicht tren­nen las­sen. Kon­se­quenz ist, dass eine auch nur teil­wei­se Zuord­nung der Pflich­ten zum Typus eines Miet- oder Pacht­ver­trags ausscheidet. 

Das Finanz­ge­richt ist zu Unrecht davon aus­ge­gan­gen, dass die von der GmbH getä­tig­ten Auf­wen­dun­gen für die Ban­den- und Tri­kot­wer­bung und die Über­las­sung des Ver­eins­lo­gos dem Gewinn antei­lig für gewer­be­steu­er­recht­li­che Zwe­cke hin­zu­zu­rech­nen sind. Gegen­stand der Hin­zu­rech­nung sind Miet- und Pacht­zin­sen im Sin­ne des bür­ger­li­chen Rechts. Der Nut­zungs­ver­trag muss daher sei­nem wesent­li­chen recht­li­chen Gehalt nach ein Miet- oder Pacht­ver­hält­nis im Sin­ne des bür­ger­li­chen Rechts sein. Das ist hier nicht der Fall.

Fazit: Ent­schei­dend ist, ob der Ver­trag in sei­ne wesent­li­chen Ele­men­te zer­legt und teil­wei­se als Miet-/Pacht­ver­trag ange­se­hen wer­den kann (= gemisch­ter Ver­trag mit trenn­ba­ren Haupt­pflich­ten). Eine Trenn­bar­keit schei­det aus, wenn der Ver­trag wesent­li­che miet- oder pacht­frem­de Ele­men­te ent­hält, die ihn einem ande­ren Ver­trags­typ zuord­nen oder zu einer Ein­ord­nung als Ver­trag eige­ner Art führen.

Quelle:BFH | Urteil | III R 5/22 | 22-03-2023