Ein Steu­er­pflich­ti­ger kann für die Pfle­ge eines nahen Ange­hö­ri­gen (z. B. der Eltern) anstel­le der tat­säch­li­chen Auf­wen­dun­gen einen Pfle­ge­pausch­be­trag als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung gel­tend machen (§ 33b Abs. 6 EStG). Vor­aus­set­zung ist unter ande­rem, dass der Steu­er­pflich­ti­ge die Pfle­ge ent­we­der in sei­ner Woh­nung oder in der Woh­nung des Pfle­ge­be­dürf­ti­gen per­sön­lich durch­führt und dafür kei­ne Zah­lun­gen erhält. Der Pfle­ge­pausch­be­trag beträgt beim

Pfle­ge­grad 2 600 €
Pfle­ge­grad 3 1.100 €
Pfle­ge­grad 4 oder 5 1.800 €

und wird auch gewährt, wenn die gepfleg­te Per­son hilf­los im Sin­ne des § 33b Absatz 3 Satz 4 EStG ist. Bei erst­ma­li­ger Fest­stel­lung, Ände­rung oder Weg­fall des Pfle­ge­grads im Lau­fe des Kalen­der­jah­res ist der Pfle­ge-Pausch­be­trag nach dem höchs­ten Grad zu gewäh­ren, der im Kalen­der­jahr fest­ge­stellt war. 

Pra­xis-Bei­spiel:
Die Mut­ter ist auf­grund einer fort­schrei­ten­den Demenz seit 2025 pfle­ge­be­dürf­tig und wur­de von einem medi­zi­ni­schen Dienst mit Pfle­ge­grad 3 ein­ge­stuft. Die Toch­ter über­nahm die Haupt­pfle­ge ihrer Mut­ter im häus­li­chen Umfeld und erhielt hier­für kei­ne Ein­nah­men. Im Jahr 2026 reich­te sie die Steu­er­erklä­rung für 2025 ein. Anga­ben zum Pfle­ge­pausch­be­trag mach­te sie nicht. Nach Bestands­kraft des Ein­kom­men­steu­er­be­schei­des 2025 reich­te die Toch­ter nach­träg­lich die Beschei­ni­gung über den Pfle­ge­grad 3 für die Mut­ter ein und bean­trag­te die Ände­rung des Ein­kom­men­steu­er­be­scheids hin­sicht­lich der Aner­ken­nung eines Pflegepauschbetrages.

Nach § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 AO kann ein Steu­er­be­scheid geän­dert wer­den, wenn ein Grund­la­gen­be­scheid erlas­sen oder geän­dert wird, der für die Fest­set­zung des Steu­er­be­schei­des von Bedeu­tung ist. Grund­la­gen­be­scheid ist jeder Bescheid, der für die Fest­set­zung der Steu­er bin­dend ist. Dazu gehört auch der Bescheid über die Ein­stu­fung in einen Pfle­ge­grad, der für die Gewäh­rung eines Pfle­ge­pausch­be­tra­ges maß­geb­lich ist. Der Fol­ge­be­scheid ist dann inner­halb der Fest­set­zungs­frist an den Grund­la­gen­be­scheid anzu­pas­sen, wenn die im Grund­la­gen­be­scheid getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen nicht oder nicht zutref­fend berück­sich­tigt wur­den. Dies gilt, wenn 

  • der Grund­la­gen­be­scheid erst nach Erlass des Fol­ge­be­scheids ergan­gen ist, 
  • der Grund­la­gen­be­scheid bei Erlass des Fol­ge­be­schei­des über­se­hen wur­de oder
  • wenn der Grund­la­ge­be­scheid bei Erlass des Fol­ge­be­scheids bereits vor­lag, die im Grund­la­gen­be­scheid getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen aber feh­ler­haft berück­sich­tigt wor­den sind.

Einer Ände­rung des Fol­ge­be­schei­des steht nicht ent­ge­gen, dass der Steu­er­pflich­ti­ge den für die Steu­er­ver­güns­ti­gung erfor­der­li­chen, aber nicht frist­ge­bun­de­nen Antrag erst nach Unan­fecht­bar­keit des Steu­er­be­scheids gestellt hat (vgl. BFH-Urteil v. 13.12.1985, III R 204/81).

Im Gegen­satz zum Behin­der­ten-Pausch­be­trag müs­sen beim Pfle­ge-Pausch­be­trag nach § 33b Abs. 6 EStG neben dem Pfle­ge­grad wei­te­re Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sein, um die steu­er­li­che Ver­güns­ti­gung zu erhal­ten. Von dem Finanz­amt wur­de daher in einem Kla­ge­ver­fah­ren vor dem Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass eine Ände­rung nur dann mög­lich sei, wenn allein der Grund­la­gen­be­scheid für den Ansatz einer Besteue­rungs­grund­la­ge maß­geb­lich ist. Dies sei hin­sicht­lich der Berück­sich­ti­gung eines Pfle­ge­pausch­be­tra­ges jedoch nicht der Fall, weil in § 33b Abs. 6 EStG wei­te­re Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sein müs­sen. Des­halb hät­ten hier­zu bereits im Rah­men der Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung Anga­ben gemacht wer­den müssen.

Aber: Das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf ist ande­rer Auf­fas­sung. Der Ein­kom­men­steu­er­be­scheid kann geän­dert wer­den, weil der Bescheid über die Ein­stu­fung in einen Pfle­ge­grad als Grund­la­gen­be­scheid aus­reicht. Dass sich die bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Grund­la­gen­be­scheids nur auf eine ein­zel­ne Vor­aus­set­zung (näm­lich den Pfle­ge­grad) bezieht, ste­he einer Ände­rung nicht ent­ge­gen. Das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf hat die Revi­si­on zuge­las­sen (Az. beim BFH: VI R 19/25)

Quelle:Finanzgerichte | Urteil | FG Düs­sel­dorf, 14 K 1541/24 E | 19-10-2025