Der Bun­des­fi­nanz­hof hat ent­schie­den, dass Früh­stücks­leis­tun­gen, der Zugang zu Fit­ness- und Well­ness­ein­rich­tun­gen an Hotel­gäs­te nicht dem ermä­ßig­ten Steu­er­satz unterliegen.

Grund­la­ge:
Der BFH hat­te am 10.1.2024 den EuGH ange­ru­fen, um zu klä­ren, ob und wel­che zusätz­li­chen Hotel­leis­tun­gen dem ermä­ßig­ten Umsatz­steu­er­satz unter­lie­gen. Bei den nun­mehr vor­lie­gen­den BFH-Urtei­lern han­delt sich hier um Nach­fol­ge­ent­schei­dun­gen zu dem Urteil des EuGH vom 05.03.2026 (C 409/24 bis C 411/24), in die­sen The­men­be­rei­chen. Die Urtei­le betref­fen Streit­zeit­räu­me, in denen Restau­rant- und Ver­pfle­gungs­dienst­leis­tun­gen (mit Aus­nah­me der Abga­be von Geträn­ken) noch dem Regel­steu­er­satz bei der Umsatz­steu­er unterlagen.

Die Umsatz­steu­er ermä­ßigt sich auf 7% für die Ver­mie­tung von Wohn- und Schlaf­räu­men, die ein Unter­neh­mer zur kurz­fris­ti­gen Beher­ber­gung von Frem­den bereit­hält, sowie für die kurz­fris­ti­ge Ver­mie­tung von Cam­ping­flä­chen. Der ermä­ßig­te Steu­er­satz gilt nicht für Leis­tun­gen, die nicht unmit­tel­bar der Ver­mie­tung die­nen, auch wenn die­se Leis­tun­gen mit dem Ent­gelt für die Ver­mie­tung abge­gol­ten sind (Art. 98 Abs. 1 und 2 i.V.m. Anhang III Nr. 12 der Richt­li­nie 2006/112/EG des Rates vom 28.11.2006 über das gemein­sa­me Mehr­wert­steu­er­sys­tem – MwSt­Sys­tRL –). Mit­glied­staa­ten kön­nen einen oder zwei ermä­ßig­te Steu­er­sät­ze anwen­den, wobei die­se nur auf die Lie­fe­run­gen von Gegen­stän­den und die Dienst­leis­tun­gen der in Anhang III genann­ten Kate­go­rien anwend­bar sind. Nach Anhang III Nr. 12 MwSt­Sys­tRL gehö­ren hier­zu die Beher­ber­gung in Hotels und ähn­li­chen Ein­rich­tun­gen (ein­schließ­lich der Beher­ber­gung in Feri­en­un­ter­künf­ten) und Ver­mie­tung von Cam­ping­plät­zen und Plät­zen für das Abstel­len von Wohn­wa­gen. Beson­ders inter­es­sant sind fol­gen­de Punkte:
•    Früh­stücks­leis­tun­gen an Hotel­gäs­te sind Leis­tun­gen, die dem Regel­steu­er­satz unter­lie­gen. (Hin­weis: Es ist zu beach­ten, dass zwi­schen­zeit­lich die Steu­er­sät­ze für die Abga­be von Spei­sen (ohne Geträn­ke) mehr­fach geän­dert wurde.).
•    Park­raum­über­las­sung: Bei der Über­las­sung von Park­plät­zen stellt sich die Fra­ge, ob über­haupt eine steu­er­ba­re gegen Ent­gelt erbrach­te Leis­tung vor­liegt. Das ist nicht der Fall, wenn die Park­plät­ze nicht nur den Über­nach­tungs- und Restau­rant­gäs­ten zur Ver­fü­gung stan­den, son­dern dar­über hin­aus auch für die All­ge­mein­heit frei und unent­gelt­lich zugäng­lich waren. Es liegt dann inso­weit kei­ne gegen Ent­gelt erbrach­te sons­ti­ge Leis­tung vor. In einem zwei­ten Rechts­gang wird das Finanz­ge­richt somit zunächst die­se Fra­ge klä­ren müs­sen. Es kommt also dar­auf an, ob die Park­plät­ze nur von Hotel­gäs­ten genutzt wer­den konn­ten oder ob die­se auch für die All­ge­mein­heit frei und unent­gelt­lich zugäng­lich waren, sodass von einer nicht­steu­er­ba­ren Leis­tung aus­zu­ge­hen ist. Der BFH hob das kla­ge­ab­wei­sen­de Finanz­ge­richts-Urteil auf und ver­wies die Sache zur ander­wei­ti­gen Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Finanz­ge­richt zurück.
•    Fit­ness- und Well­ness­ein­rich­tun­gen: Auch wenn die Hotel­gäs­te hier­für kein geson­der­tes Ent­gelt bezah­len, han­delt es sich um Leis­tun­gen, die dem Regel­steu­er­satz unter­lie­gen (V R 11/26 (XI R 14/23; XI R 22/21). 
•    Zugang zum WLAN: Bei der WLAN-Nut­zung stellt sich eben­falls die Fra­ge, ob über­haupt eine steu­er­ba­re gegen Ent­gelt erbrach­te Leis­tung vor­liegt. Es ist von einer nicht­steu­er­ba­ren Leis­tung aus­zu­ge­hen ist, wenn das WLAN nicht nur von Hotel­gäs­ten genutzt wer­den konn­te. Der BFH das kla­ge­ab­wei­sen­de Finanz­ge­richts-Urteil auf und ver­wies die Sache zur ander­wei­ti­gen Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Finanz­ge­richt zurück.

Quelle:BFH | Urteil | V R 8/26 (XI R 11/23; XI R 34/20), V R 10/26 (XI R 13/23; XI R 7/21), V R 11/26 (XI R 14/23; XI R 22/21) und V R 8/26 (XI R 11/23, XI R 34/20) | 20-05-2026