Bei den ver­fah­rens­recht­li­chen Rege­lun­gen ist zwin­gend zwi­schen rechts­fä­hi­gen und nicht rechts­fä­hi­gen Per­so­nen­ver­ei­ni­gun­gen zu unter­schei­den. Das gilt ins­be­son­de­re bei der Bekannt­ga­be von Beschei­den über geson­der­te und ein­heit­li­che Fest­stel­lun­gen. Da der Abschluss des Gesell­schafts­ver­trags einer GbR form­frei ist, muss im Ein­zel­fall geprüft wer­den, ob die Betei­lig­ten einer Bruch­teils- oder Erben­ge­mein­schaft eine GbR gegrün­det haben, die nach dem Wil­len der Gesell­schaf­ter am Rechts­ver­kehr teil­neh­men soll. Der Ver­trag kann auch kon­klu­dent geschlos­sen wer­den. Im Regel­fall ist eine Regis­ter­ein­tra­gung nicht erfor­der­lich (anders ist es, wenn die GbR ein Grund­stück erwer­ben oder ein ihr gehö­ren­des Grund­stück ver­äu­ßern will).

In der Pra­xis ist es mit­un­ter schwie­rig fest­zu­stel­len, ob die Mit­ei­gen­tü­mer eines Gegen­stands (z. B. einer Immo­bi­lie) durch Ver­mie­tung oder Ver­pach­tung eine (rechts­fä­hi­ge) GbR begrün­den, solan­ge kein Gesell­schafts­ver­trag vor­ge­legt oder zumin­dest vor­ge­tra­gen wird. Im Ein­zel­fall muss daher geprüft wer­den, ob die Betei­lig­ten einer Bruch­teils- oder Erben­ge­mein­schaft bei gemein­sa­mer steu­er­re­le­van­ter Nut­zung des gemein­schaft­li­chen Rechts/​Gegenstands (z. B. einer Immo­bi­lie) eine Gesell­schaft gegrün­det haben, die nach dem Wil­len der Gesell­schaf­ter am Rechts­ver­kehr teil­neh­men soll (Außen-GbR). 

Falls kein Gesell­schafts­ver­trag vor­ge­legt wird und die Fest­stel­lungs­be­tei­lig­ten die Per­so­nen­ver­ei­ni­gung gegen­über der Finanz­be­hör­de auch nicht aus­drück­lich als (rechts­fä­hi­ge) GbR bezeich­nen, kön­nen fol­gen­de Indi­zi­en die Fest­stel­lung einer (ggf. kon­klu­den­ten) Grün­dung einer rechts­fä­hi­gen GbR erleichtern: 

  • Abschluss des Miet- oder Pacht­ver­trags oder ander­wei­ti­ge Kor­re­spon­denz mit Drit­ten im Namen einer (Grundstücks-)Gesellschaft,
  • Zah­lung der Mie­te oder Pacht auf ein Kon­to, bei dem eine (Grund­stücks-) Gesell­schaft als Kon­to­in­ha­ber genannt ist (uner­heb­lich ist, ob alle oder nur ein­zel­ne Mit­ei­gen­tü­mer ver­fü­gungs­be­rech­tigt sind),
  • im Grund­buch ist als Eigen­tü­mer der Immo­bi­lie eine Gesell­schaft ein­ge­tra­gen, der Umfang der Ver­mie­tung oder Ver­pach­tung über­steigt den Rah­men einer pri­vat­üb­li­chen Vermögensverwaltung,
  • die Mit­ei­gen­tü­mer sind weder Ehe­gat­ten noch Lebenspartner.

Wur­de kein Gesell­schafts­ver­trag vor­ge­legt und haben die Fest­stel­lungs­be­tei­lig­ten die Per­so­nen­ver­ei­ni­gung gegen­über der Finanz­be­hör­de auch nicht aus­drück­lich als (rechts­fä­hi­ge) Gesell­schaft bzw. GbR bezeich­net, ist von einer Bruch­teils- oder Erben­ge­mein­schaft aus­zu­ge­hen, wenn kei­nes der vor­ste­hen­den Indi­zi­en vorliegt. 

Pra­xis-Bei­spiel:
Ehegatten/​Lebenspartner ver­mie­ten als Mit­ei­gen­tü­mer in ihrem Haus ein Zim­mer oder eine Woh­nung. Die Mie­te wird auf das Bank­kon­to der Ehegatten/​Lebenspartner über­wie­sen. Die­se Tätig­keit gehört noch zur gemein­schaft­li­chen Ver­wal­tung des Bruch­teils­ei­gen­tums und begrün­det kei­ne rechts­fä­hi­ge GbR.

Ist nach dem 31.12.2023 über den Ein­spruch gegen einen Bescheid zu ent­schei­den, der vor dem 1.1.2024 wirk­sam gewor­den ist, rich­tet sich das wei­te­re Ver­fah­ren nach den gel­ten­den Vor­schrif­ten der AO, die ab dem 1.1.2024 gel­ten. Bei rechts­fä­hi­gen Per­so­nen­ver­ei­ni­gun­gen ist Betei­lig­ter des Ein­spruchs­ver­fah­rens und Bekannt­ga­be­adres­sat der Ein­spruchs­ent­schei­dung seit dem 1.1.2024 grund­sätz­lich nur die Per­so­nen­ver­ei­ni­gung. Das gilt auch, wenn der Ein­spruch nach dem 31.12.2023 und vor dem 1.1.2026 vom frü­he­ren Emp­fangs­be­voll­mäch­tig­ten wirk­sam ein­ge­legt wor­den ist.

Quelle:BMF-Schreiben | Geset­zes­än­de­rung | IV D 1 – S 0062/23/10005 :002 | 27-03-2024