Das Finanz­ge­richt hat ent­schie­den, dass eine Part­ner­schafts­ge­sell­schaft, die Koope­ra­tio­nen mit Anwäl­ten ein­geht, kei­ne „eigen­ver­ant­wort­li­che“ frei­be­ruf­li­che Tätig­keit aus­übt, wenn die ange­schlos­se­nen Anwäl­te eigen­stän­dig Man­da­te akqui­rie­ren und bear­bei­ten, ohne dass die Part­ner der Gesell­schaft fach­lich in die Bera­tung oder Bear­bei­tung die­ser Man­da­te ein­ge­bun­den sind. Die­ses feh­len­de per­sön­li­che pro­fes­sio­nel­le Enga­ge­ment führt dazu, dass die aus die­sen Man­da­ten erziel­ten Ein­künf­te der Part­ner­schafts­ge­sell­schaft gemäß der soge­nann­ten „Abfär­be­re­ge­lung“ umqua­li­fi­ziert wer­den und daher als gewerb­li­che Ein­künf­te der Gewer­be­steu­er unterliegen.

Ent­schei­dend ist die Aus­le­gung von „eigen­ver­ant­wort­li­chem Han­deln“ und „lei­ten­der Rol­le“ im Sin­ne des Berufs­bil­des, wie es in § 18 EStG (Ein­kom­men­steu­er­ge­setz) defi­niert ist. Das Gericht stell­te fest, dass ohne sub­stan­zi­el­le Nach­wei­se einer direk­ten juris­ti­schen Tätig­keit der Part­ner nicht behaup­tet wer­den kann, dass die Ein­künf­te aus der erfor­der­li­chen beruf­li­chen Eigen­ver­ant­wor­tung resul­tie­ren. Das gilt selbst dann, wenn die exter­nen Anwäl­te die glei­che fach­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on wie die Part­ner besit­zen. Auch durch die for­ma­len Ver­trags­struk­tu­ren und die inter­ne Orga­ni­sa­ti­on der Part­ner­schafts­ge­sell­schaft wur­de die Tren­nung der Ver­ant­wort­lich­kei­ten zwi­schen den Part­nern und den soge­nann­ten „asso­zi­ier­ten Part­nern“ ver­deut­licht, wel­che eher als selb­stän­di­ge Unter­neh­mer und nicht als Ange­stell­te der Gesell­schaft ange­se­hen wurden.

Im Gerichts­ver­fah­ren wur­de aus­führ­lich die Tren­nung zwi­schen der Tätig­keit der Part­ner­schafts­ge­sell­schaft und der Arbeit der koope­rie­ren­den Anwäl­te ana­ly­siert. Es wur­de dar­ge­legt, dass die recht­li­che Struk­tur und prak­ti­sche Umset­zung der Zusam­men­ar­beit voll­stän­dig mit der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­ho­fes (BFH) über­ein­stim­men. Dadurch wur­de die Part­ner­schafts­ge­sell­schaft zu Recht als gewer­be­be­trieb­lich ein­ge­stuft. Die­se Ent­schei­dung stärkt somit die recht­li­chen Kri­te­ri­en bezüg­lich der Aus­übung eines frei­en Berufs, der Eigen­ver­ant­wort­lich­keit sowie den steu­er­recht­li­chen Fol­gen beruf­li­cher Kooperationen.

Hin­weis: Gegen die­se Ent­schei­dung wur­de Revi­si­on ein­ge­legt, die beim BFH unter dem Az. VIII R 12/25 anhän­gig ist. Ver­fah­ren in ver­gleich­ba­ren Situa­tio­nen soll­ten daher offen­ge­hal­ten werden.

Quelle:Finanzgerichte | Urteil | FG Ber­lin-Bran­den­burg, 1 K 1125/23 | 12-11-2024